Gedenkstättenfahrt Ravensbrück

von Thomas Rudolf

Reden wir von Farben, denken wir nicht an Schwarz

In Zeiten, in denen ein Nie wieder! der Ignoranz mancher nicht standhalten kann, erinnert die Regionale Schule „Caspar David Friedrich“ ihre Schüler mit der Fahrt nach Ravensbrück an die geschichtsträchtige Reise eines Landes, welches auf der Suche nach seiner Identität stolpernd in die farbenfrohe Zukunft schauen möchte, ohne sich vom dunklen Schwarz einholen zu lassen.
Nach einer kurzen Busfahrt sollte die Bildungsreise mit einer sportlichen Challenge an einem sehr verregneten Tag beginnen: Die Kanufahrt mit rund 35 SchülerInnen begann mit der Aussage des Guides, mit diesen Kanus wäre es physikalisch unmöglich zu kentern und im Wasser zu landen. Weder der Philosophie- und Deutschlehrer noch seine drei Mit-Kanuten, haben offensichtlich in Physik aufgepasst und schafften daher, was alle für unmöglich hielten.
Der nasse Unfall und das sonnige Lachen sollten dem verregneten Tag und der emotionalen Bürde des Ortes in starkem Kontrast entgegenstehen.
Das Graphic Novel „Emmie Arbel: die Farbe der Erinnerung“ begleitete die beiden Klassen während des intensiven, zweitägigen Workshops als roter Faden durch die historischen Ereignisse und lieferte so einen Kontext und eine greifbare „Wow. Das geschah Emmie genau hier, wo wir jetzt stehen und übernachten?“-Erfahrung. In dem Buch gibt es diese eine Stelle, in der Emmie sagte, sie könne nicht über ihre Zeit und ihr Leid in dem Frauen-KZ Ravensbrück sprechen, während Panel für Panel die Dunkelheit im Hintergrund in den Vordergrund rückt, um sie zu verschlingen. Bis sie dann eine Zigarette, ihr Markenzeichen, wie unsere Seminarleiterin sagte, anzündete und äußerte, dass dies genau der Grund wäre, warum sie lernen müsse, darüber zu sprechen, um Licht ins Dunkle zu bringen und eine Wiederholung der Ereignisse verhindern zu können.
Die SchülerInnen brauchten eine Weile, um sich auf diese für sie sowohl literarisch als auch biographisch unorthodoxe Art der Begleitung durch das KZ einlassen zu können, aber als Klassenleiterteam waren wir sehr begeistert davon, wie einfühlsam die beiden Seminarleiter auf unsere Klassen eingehen konnten, um sie am Ende produktiv werden zu lassen:
Audiobooks, Plakate, Vorträge, Diskussionsrunden und sogar selbst ausgesuchte (und weit entfernte) wichtige Orte als Motive für Fotos kamen als beeindruckende Ergebnisse aus den Köpfen unserer SchülerInnen auf kreative und farbenfrohe Weise nach außen. Am Ende ​schafften wir es sogar, Fragen zu stellen, die unsere Experten nicht beantworten konnten, sie aber für das nächste Jahr gut vorbereiten wollen.
Am letzten Tag klarte dann auch der Himmel gänzlich auf, der trübe und graue Regen verschwand und jeder Reiseteilnehmer entschloss sich dazu, eine der verschiedenfarbigen Rosen an einen denkwürdigen Ort seiner Wahl zu platzieren. Es gibt kaum ein passenderes Ende.